Das Leben

Das Leben ist einmal so, einmal so. Zwischen diesen Stadien sind Beistriche, Erlagscheine, leere Zahnpastatuben und Geburtstagsfeiern. Weihnachten ist ein Mal im Jahr, aber wir wissen nicht, wie oft im Leben. Das ist das Spannende an Weihnachten. Im Leben geht es immer voran, auch wenn man manchmal mit dem Bus fährt und nicht so dran glauben will.

 

Im Leben fällt auch manchmal etwas runter, das macht dann platsch! oder ditsch! oder es kullert noch weiter und macht tok, tok, tok. Im Leben gibt es Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, Geselchtes und Sauerkraut. Wenn man im Leben woanders hinfährt, sieht man den Eiffelturm, das Empire State Building, die Pyramiden oder man sieht nur sehr oft Hütteldorf.

 

Das Leben dauert vom Anfang bis zum Schluss. Zuerst hat man Buntstifte, dann nur mehr teure Füllfedern. Am Ende der Buntstiftezeit kommt der erste Zungenkuss, das ist sehr aufregend und man schwitzt wesentlich mehr als sonst. Im Leben hat man immer etwas vor oder man hat heute gar nichts mehr vor. Wenn man heute gar nichts mehr vor hat, sagt man oft: „Oh, das tut mir leid, heute hab ich schon was vor.“

 

Im Leben hat man gern eine Ordnung, oder man ist glücklich und findet es am besten geordnet genau so, wie es jetzt ist. Wenn einem im Leben etwas bedrückt, hört man zu rauchen auf, oder man stellt seine Ernährung um, oder man läuft jeden Tag die gleiche Strecke, manche laufen auch bergauf.

 

Im Leben spricht man auch gern über das Leben und manchmal erklärt man das Leben. Außer das Leben ist gerade sehr schön, dann erklärt man gar nichts und freut sich beim Anblick einer schmutzigen Verkehrstafel.

 

Am heftigsten ist das Leben im November. Da hat man dann Sehnsucht nach dem Leben und redet vom Sterben und vom Tod. Der Tod ist am Schluss des Lebens. Der Tod ist so ähnlich wie ein Zungenkuss, nur viel länger und viel größer als das Empire State Building.

 

Aber bevor man stirbt, kann man heiraten, da hat man das alles gemeinsam. Oft ist es so, dass einer der beiden den Eiffelturm sehen will und der andere die Pyramiden. Das ist dann ein sogenannter Konflikt und der wird während einer Autobahnfahrt auf Höhe Hütteldorf besprochen. Kann aber auch Höhe Pressbaum sein.

 

Das Leben ist wie ein Wasserhahn in der Küche, und der liebe Gott ist meine Frau. Die dreht dann den Wasserhahn auf und zu, so sch! scht. Die restlichen Tropfen werden dann von meiner Frau weggewischt. Wenn meine Frau mit dem Wegwischen fertig ist, räuspert sie sich, dann macht sie: „Hng, krrr!“ Dann drückt sie auf ihrem Handy herum, und es macht tut, tut. Dann kommt im Fernsehen das perfekte Dinner, und ich bin mitten im Leben.

 

Mitten im Leben hat man oft Geräusche im Darm, dann redet man lauter, dass die anderen es nicht hören. Mitten im Leben kauft man auch viel mehr Ersatzglühbirnen als am Anfang oder am Ende des Lebens. Im Leben will man oft morgen zum Friseur gehen, oder man braucht dringend neue Schuhe. Im Leben hört man oft das Klicken eines Lichtschalters, so klick!, oder nur klck. Es gibt auch Lichtschalter, die machen klack! oder klock!, die sind dann aber meistens im Keller.

 

Wenn man im Leben keinen Keller hat, macht man sich eine Biskuitroulade, und alles ist wieder gut. Die wichtigsten Dinge im Leben sind: Krakauer, Semmerl, Salzstangerl und Nougatschokolade. Und Butter. Butter ist zum Beispiel wichtiger als ein Dachboden. Wenn man einen Balkon hat, hat man auch Nachbarn und die muss man dann immer grüßen, so: „Grüß Gott, Frau …!“

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Roul Starka

St. Pölten, 23.4.15